Flat statt Platt. Unsere Theme-Entwickler im Interview

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Es gibt ein neues Shop-Theme in der WordPress-Landschaft, und es trägt einen verheißungsvollen Namen: Hamburg. Wir sprachen mit den beiden führenden Theme-Autoren unseres Teams Nick Jantschke und Caspar Hübinger über WordPress, responsive Themes und die Zukunft von Webdesign.

Hallo, ihr beiden! Eine Frage vorweg: Wie seid ihr zu WordPress gekommen?

Nick: Boah… so vor 5-6 Jahren hab ich nach einem Content-Management-System gesucht. Hab’ dann einige ausprobiert, die damals halt so am Start waren. Joomla hab’ ich mal genutzt und auch mal eine Community-Seite damit gebaut, aber ich fand es immer recht fehleranfällig. Dann hab’ ich mich halt umgeschaut, ob das nicht auch irgendwie einfacher geht, und bin auf WordPress gestoßen, so bei Version 2.1. Das war erstmal komplettes Neuland, aber es hat Spaß gemacht, war relativ einfach zu verstehen und auch für den Endkunden einfach zu bedienen. Und auf WordPress-Deutschland gab es ja jede Menge Hilfestellungen und Support. Das hat es mir dann angetan, und dann bin ich drauf hängen geblieben.

Caspar: Ich versuch gerade zu googlen, wann ich die erste Domain registriert habe, die auf WordPress gelaufen ist… Es war wohl kurz vor Version 2.0. Ich bin kompletter Quereinsteiger, habe nichts studiert in der Richtung, kam ursprünglich aus der Musik, dann – mit dem Umweg übers Handwerk – ins Webdesign, und da bin ich ziemlich schnell bei CMS gelandet. Dann hat mein Bruder sein Studium fertig und danach eine Weltreise gemacht, und für ihn hab’ ich dann ein Blog eingerichtet. So bin ich bei WordPress gelandet und hab’ schnell gemerkt, was das für ein geniales System ist. Was ich über WordPress-Code weiß, habe ich größtenteils in Frank Bültges Blog und bei Toscho auf WPSE gelernt.

Das wievielte Theme ist Hamburg für euch?

Nick: Bestimmt schon das Sechzigste oder Siebzigste.

Caspar: Bei mir auch so um den Dreh. Wobei wir sagen müssen: wir arbeiten das erste Mal zusammen, Nick und ich. Es macht unheimlich Spaß, zu zweit an so einem Ding zu schrauben. Wir ergänzen uns ziemlich gut – zumal wir bei Inpsyde unschätzbaren Support aus der Entwickler-Ecke in Anspruch nehmen dürfen.

Nick: Ja, es ist halt so, dass Caspar und ich schon jahrelang Themes bauen, und irgendwie nie für die Öffentlichkeit, sondern immer speziell für Kunden. Jetzt es ist für uns einfach eine Freude, unser Können mal nach Außen tragen! 😉

Wie seid ihr auf den Namen gekommen – Hamburg?

Caspar: Viele Themes werden nach ihren Funktionen benannt, nach dem, was sie gut können. Shop-Theme-XY zum Beispiel. Wir wollten aber von Anfang an ein Namensschema, so eine Art „Edition“ – kann ja sein, dass da noch mehr aus der Richtung kommt. 😉

Als Schema sind wir dann auf Städtenamen gekommen. Und da war Hamburg einfach die Erste, auch weil sie, als alte Hansestadt, einen klaren Bezug zu dem Shop-Feature hat. Dieses Handelsthema war bei uns ja gleich mit dabei, weil das Theme WooCommerce-ready sein sollte. Ist es auch.

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Was ist so besonders an diesem Theme?

Nick: Hamburg ist fluffig und leichtfüssig, wirkt eher einfach, und das ist es im Prinzip auch. Es ist modern gehalten, nach aktuellen Standards programmiert und designed – Stichwort: responsives Webdesign – und es macht einfach Spaß, damit zu arbeiten!

Hamburg ist ein wunderbares Blog-Theme, und es ist zusätzlich für einen ganz bestimmten Zweck gemacht: es kann direkt für einen Onlineshop mit den Plugins WooCommerce und WooCommerce German Market eingesetzt werden. Also als Shop mit Erweiterung für den nicht gerade unkomplizierten deutschen Rechtsraum. Das läuft von Hause aus!

Caspar: Hamburg ist für mich, wie die Stadt selber, eine pure Schönheit. Kein Schnickschnack, kein Gezappel, gerade Linien, klare Kanten, viel Raum. Ein solides und dabei elegantes Stand-alone-Theme, kein Framework! Es sieht tatsächlich ziemlich simpel aus, wenn man so drauf guckt. Schaut man ihm aber unter den Rock, stößt man auf viele kleine Extras, die man idealer Weise als Anwender gar nicht bemerkt. Beispiel: die sehr übersichtlichen Theme-Optionen. Davon kriegst du als Anwender relativ wenig mit.

Es gibt ja diese – ich sag’ immer – „Un-Themes“ mit riiiiiiesigen Options-Oberflächen, bei denen du den ganzen Tag damit zubringen kannst, die zu konfigurieren. Hamburg ist das genaue Gegenteil: Es entscheidet vieles einfach alleine, ohne dass du als Anwender gefragt wirst. Es weiß z.B., ob ein Beitragsbild ein Hoch- oder Querformat ist und ob seine Breite ausreicht, damit es über die gesamte Breite des Inhalts fließen kann.

Caspar: Hamburg ist für mich, wie die Stadt selber, eine pure Schönheit.

In Bezug auf Anpassungen setzt Hamburg voll auf Solidität – nämlich auf den WordPress-Standard „Child Themes“: wenn dir wirklich etwas nicht passt, hast du immer die „Option“ eines ergänzenden Child Theme in der Hinterhand. Hamburg liefert dir dafür, ähnlich wie WooCommerce, eine praktische Template-Struktur.

Das Kern-Feature der Child Themes in WordPress, durch das Themes sozusagen „Kinder“ haben können, ist immer noch viel zu wenig bekannt. Dabei ist es gerade für Anwender ein wichtiges Feature, weil du in einem Child Theme auch mit sehr wenig CSS-Kenntnissen schnell visuelle Anpassungen umsetzen kannst, für die du sonst vergeblich nach Optionen im Backend suchen würdest.

Worauf sollten Käufer eigentlich beim Theme-Kauf allgemein achten?

Caspar: O ja, das ewige Dilemma… 😉 Die Frage betrifft im Prinzip ja nicht nur Theme-Käufer, sondern Konsumenten überhaupt. Egal ob du ‘ne Kaffeemaschine kaufst, oder ein Auto, oder eben ein Theme: du kannst immer nur in dem Maß eine gute Entscheidung treffen, wie du dich vorher mit dem Thema auseinander gesetzt hast.

Es gibt ein paar klare Indizien, wann ein Theme Stress machen kann, und das sind z.B. überladene Optionsseiten. Wenn ein Theme sehr viel Funktionalität mitbringt, die wenig mit der Darstellung von Inhalten zu tun hat, ist Vorsicht geboten. Beispiel: Ein Theme liefert eigene SEO-Funktionen. Wie zukunftssicher kann das sein? Wie sehr legt man sich fest, macht sich abhängig vom Theme? Wenn man das Theme deaktiviert, sind die Funktionen ja auch weg, und bei SEO-Features kann das richtig weh tun.

Eine wichtige Frage, die man sich vor dem Theme-Kauf stellen sollte, wäre: Was gehört in ein Theme und was in ein Plugin? Grundsätzlich ist ein Theme ganz klar zuständig für die Darstellung von Inhalten. Punkt. Alles andere gehört in Plugins. Diese „Wollmilchsau“-Themes sind natürlich verführerisch, weil du als Anwender denkst: „Ha, wie praktisch, da ist ja alles drin!“. Dummerweise bezahlst du den Preis für die scheinbare Bequemlichkeit spätestens dann, wenn du das Theme mal wechseln möchtest.

Nick: Ich finde nichts schlimmer als überladene Einstellungsseiten für Themes, die dir dann dein Layout zerhauen, weil du gar nicht weißt, wo du was veränderst. Vorab ist es natürlich schwierig zu sehen, weil man meist zwar ein Demo hat, aber kein Demologin fürs Backend, um zu sehen wie die Themeeinstellungen denn wirklich aussehen.

Ich hatte schon viele Kunden, die sich so ein Theme gekauft hatten und dann mit Änderungswünschen zu mir kamen, die dann natürlich eine Menge Zeit und Geld kosteten. Es bleibt eben nicht bei 30€ fürs Theme, sondern man landet schnell bei 300€, bloß weil man als Anwender mit der Komplexität des Theme gar nicht zurecht kommt. Und selbst für einen Profi ist es dann schwer, sich da durch zu wuseln. Diese Themes sind oft so komplex oder sogar unsauber geschrieben, dass man faktisch nichts mehr am Code anpassen kann, und das finde ich eher problematisch.

Nick: Deshalb haben wir uns bei Hamburg dafür entschieden, so wenige Einstellungen wie möglich für den Benutzer zu liefern.

Deshalb haben wir uns bei Hamburg dafür entschieden, so wenige Einstellungen wie möglich für den Benutzer zu liefern. So können Anwender viel übers Template und über Child Themes machen, und weniger über Einstellungen im Backend. Man kauft sich ja eigentlich ein Theme, weil es so aussieht wie man es haben möchte. Und häufig bekommt man nach der Installation ‘nen Schrecken, weil es eben plötzlich gar nicht mehr so aussieht! Das ist bei vielen kommerziellen Themes der Fall, da hast du erstmal ‘ne weiße Seite und musst stundenlang konfigurieren.

Wohin gehen die Trends im Webdesign und in der Theme-Entwicklung eurer Ansicht nach?

Nick: Mittlerweile ist ja Flat Design wieder populär. Allerdings halte ich es für falsch, wenn jemand, der sehr gute 3D-Arbeiten macht, oder sehr gut mit Schattierungen arbeitet, auf einmal auf Flat Design umsattelt. Es sollte auch nicht sein, dass Schatten völlig verschwinden. Die sind wichtig fürs Auge, um Dimensionen darzustellen. Man muss halt nur zusehen, wie man sie einsetzt.

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass Design einfacher wird. Flat Design ist für mich eine hohe Kunst – es so umzusetzen, dass es auch ansprechend wirkt.

Caspar: „decisions, not options – Entscheidungen, nicht Optionen“.

Caspar: Für die Theme-Entwicklung gibt es ein paar ganz klare Trends in Richtung „keep it simple“. Richtig gute Theme-Entwickler, wie z.B. Ian Steward, haben schon längst erkannt, dass Optionen sehr sparsam eingesetzt werden sollten. Es gibt seit einiger Zeit eine Art Mantra für Theme-Autoren und WordPress-Entwickler allgemein: „decisions, not options – Entscheidungen, nicht Optionen“. Appelliert wird hier an die Verantwortung der Autoren, ihr Theme zum „Mitdenken“ zu bewegen und dem Anwender Entscheidungen abzunehmen, wo dies vertretbar und sinnvoll ist.

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Was fällt euch ein zu Responsive Webdesign?

Caspar: Dieses Theme ist wirklich komplett responsive. Und es ist auch accessibility-mäßig ziemlich gut. Unser Kollege Thomas Scholz (@toscho), der maßgeblich an der PHP-Programmierung mitgewirkt hat, war auch gerade beim Thema Accessibility eine riesengroße Hilfe. Der Mann hat einfach richtig doll Ahnung von WordPress. Schau mal ins inc-Verzeichnis, da qualmen vermutlich noch seine Fußspuren. 😉

Nick: Wir haben eine 100%-ige Nutzung von Mobilität eingepflegt. Ich habe schon einige responsive Themes gesehen, auch WooCommerce-Themes, die waren immer sehr kompliziert. Was wir bei Hamburg gemacht haben, ist bei Weitem einfacher. Caspar hat kürzlich diese Infografik geteilt, bei der es um die Auswirkungen von negativen mobilen Shoppingerlebnissen geht. Mit Hamburg passen wir, denke ich, genau in diese Schublade von mobile shopping, das einfach Spaß macht!


Interview: Manuel Schmutte. Read this post in English.

Das Theme Hamburg ist visuell und funktional mit WooCommerce kompatibel und läuft natürlich auch mit unseren Plugins WooCommerce German Market, WooCommerce Role Based Prices und Multilingual Press.

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WordPress-Evangelist, Kommunikator & Marketing-Dude bei Inpsyde, MarketPress und WordPress Deutschland

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