Noch ein WordPress Familientreffen – WordCamp London 2013

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Wie angekündigt, waren mein Kollege Caspar und ich auch auf dem WordCamp London #wcldn. Wie erwartet, wieder eine Art Familientreffen der WordPress Community. Es war recht international besetzt und nicht nur schwerpunktmäßig aus der UK.

Das besondere Highlight für mich – und sicherlich auch viele andere Anwesende – war die Keynote von Mike Little, dem „anderen“ Co-Gründer von WordPress.

Am Freitag reisten Caspar und ich aus zwei verschiedenen Richtungen nach London. Caspar aus Richtung Berlin und ich aus Richtung Köln.

Für ein Mädel vom Lande, wie ich es bin, sind solche Strecken (von 1,5h durch eine Stadt) ungewohnt. Berlin ist ja schon groß, aber London? Ich war überwältigt. Als ich endlich in meinem Hostel ankam, war es schon dunkel draußen. Caspar und ich wollten noch einiges besprechen. Caspar hatte sich bereit erklärt zu einem Treffen in meinem Hostel zu kommen. Eigentlich war seine Unterkunft nicht so weit entfernt von mir, aber er brauchte beinahe 45 Min.

Angefeuert von meiner ursprünglichen Idee vom WordCamp Europe, wo ich mit meiner Hobby-Kamera spontane Videointerviews aufnahm, hatte ich nun eine hochwertige Kamera-Ausrüstung im Gepäck. In Berlin haben meine Kollegen ja schon das Setting der Kamera getestet und auf dem WP Camp in Berlin einige Interviews aufgenommen. Für das WordCamp London haben Caspar und ich uns darauf geeinigt, dass er die Fragen stellt und ich die Kamera bediene.

WordCamp London – Konferenz Tag

Die Veranstalter des WordCamp London haben sich mit der Auswahl des Veranstaltungsortes sichtlich Mühe gegeben. Recht zentral in der Nähe der Liverpool Street Station wurden die Teilnehmer im Bishopsgate Institute empfangen. Das Orga-Team war gerade dabei die Tische für die Besucher-Registrierung einzurichten, als ich um kurz nach 8 Uhr dort eintraf. Leider wurden die T-Shirts in XXL nicht geliefert, somit bekam ich nur ein XL, welches recht körperbetont geschnitten war. Naja, als Erinnerung auf jeden Fall akzeptabel, auch wenn ich mich da dann doch nicht reinquetschen wollte. 😉

Nachdem Siobhan McKeown die Eröffnungs-Rede hielt, worin sie sich auch bei den Sponsoren bedankte und Organisatorisches mitteilte, blieb Caspar im großen Saal um der Session von Lee Willis beizuwohnen, worin dieser über die Lektionen berichtet, die er bei der Entwicklung für WordPress und Open Source im Allgemeinen lernen durfte. Im ersten Stock befand sich der kleinere Raum für Sessions. Dorthin wanderte ich um mir die Erfahrungen von Austin Smith anzuhören mit welchen Strategien er großen redaktionelle Webseiten von unterschiedlichen Redaktionssystemen auf WordPress umstellte.

Um 10 Uhr wechselten wir die Räume, denn ich wollte mir die Session von John Blackbourne anhören. Wie entwickelt man für den neuen Media Manager entwickelt, der seit WordPress 3.5 neue Maßstäbe setzt. Besonders interessant fand ich die Vorstellung des Plugins Media Explorer, welches auf VIP.WordPress.com im Einsatz ist. Damit kann man über den Media Manager auch Twitter und YouTube durchsuchen und das Suchergebnis direkt korrekt über die WordPress oEmbed API einbinden. Das Plugin ist auch auf Github in abgespeckter Version zu finden.

Für die nächste Runde brauchte ich keinen Raum zu wechseln, denn es stand die KeyNote von WordPress Chef-Entwickler Andrew Nacin auf dem Plan. Andrew sprach über die Magie, die Nachhaltigkeit und das Wachstum von WordPress. Besonders seine Erläuterungen, warum manche Entwicklungsschritte in WordPress auf den ersten Blick überflüssig erscheinen. WordPress soll als Software so weit wie möglich abwärtskompatibel bleiben. Die Updates dürfen alte Installation nicht gefährden und WordPress soll auch in der Grundversion auf den „billigsten“ Webhostingpaketen lauffähig sein. Ich fand das in Anbetracht meiner persönlichen Erfahrungen teilweise als nicht korrekt, denn ich vermute Andrew kennt noch nicht unsere bekannten großen Webhosting-Anbieter, die so manchem WordPress Dienstleister den Schweiß auf die Stirn treiben, wenn restriktive Dateiberechtigungen dem System das Leben schwer machen. Aber dafür kann WordPress ja nix.

Inpspiration

Nach der offiziellen Kaffee-Pause brauchte ich noch etwas Zeit um meine Gedanken zu sortieren. Um 12 Uhr betrat dann Mike Little die Bühne im großen Saal. Er erzählte von seiner Entdeckung der Blogsoftware B2/Cafelog und wie er Matt Mullenweg kennenlernte. Die beiden haben, nachdem der Entwickler von B2/Cafelog anscheinend von der Bildfläche verschwand, das Projekt „geforkt“ und WordPress wurde geboren. Das ist nun über zehn Jahre her. Den beiden verdanken wir, dass wir heute ein weltweite Gemeinschaft bilden, die sich über ein Stück Software zusammengefunden hat.
Mike, der sich lieber still im Hintergrund halten will, berichtet teilweise recht emotional von seinem Werdegang und was er heute so tut. Er leitet heute eine Web- und Consulting-Agentur und hält unter anderem auch WordPress Trainings.

Aus Fehlern lernt man

Nach der Mittagspause erwartete das Publikum der nächste Leckerbissen. Mark Jaquith plauderte aus dem Nähkästchen. Er zeichnete für die Version 3.6 als verantwortlicher Entwickler. Es ging bei dem Release alles schief, was nur schief gehen konnte. Wichtige geplante Neuerungen wurden nicht rechtzeitig fertig oder gar komplett aus dem Plan geworfen, das Release wurde wesentlich später veröffentlicht, als ursprünglich geplant. Mark berichtet anschaulich und emotional, wie er Blut und Wasser geschwitzt habe. Als Lehre aus dieser Misere ist aber eine interessante Art der Projektplanung entstanden. Neue Features werden nun vorerst als Plugin entwickelt. Erst wenn diese ihre Reife erlangt haben, kann das jeweilige Feature den Weg in das Hauptsystem finden. Als ein Beispiel wurde hier das neue Design für die Administrationsoberfläche MP6 genannt. Somit können viel mehr Entwickler an einem Feature gemeinsam entwickeln, ohne vor den Kopf gestoßen zu werden, wenn es nicht rechtzeitig zum Release-Termin fertig wird oder aus anderen Gründen nicht implentiert werden kann.

Erhellende Reden

Im Anschluss gab es die sogenannten Lightning Talks. Kurze Beiträge in der Länge von maximal fünf Minuten. Die Redner mussten im Vorfeld ihre Präsentationen abliefern und hatten nur maximal fünf Minuten Zeit den Inhalt in einer inspirierenden und erhellenden Rede den Zuhörern zu präsentieren. Mein Kollege Caspar hatte auch einen Lightning Talk vorbereitet. In seinem Talk ging es vordergründig um das Umdenken bzw. die Erwartungshaltung der „kostenlos Software = kostenlos Support“-Gesellschaft. Open Source ist zwar frei erhältlich, aber die Menschen die die Software entwickeln, oder Erweiterungen wie Plugins und Themes entwickeln, stecke irre viel Zeit und Energie dahinein. Das sollte meines Erachtens auch honoriert werden. Dennoch scheinen wir immer noch in einer „Geiz-ist-geil“-Mentalität zu leben, wo man Plugin-Entwickler teilweise übel beleidigt, nur weil dieser nicht so hoch springt, wie der User es gerne hätte.

Interessante Gespräche

Morgens hatten Caspar und ich schon kurz mit Mike Little gesprochen und ihn gefragt, ob er Interesse hätte für ein Video-Interview etwas Zeit einzuräumen. Er hatte zugesagt und wir konnten die Zeit vor der letzten Session nutzen, um im Speakers-Room ein sehr inspirierendes Interview zu führen. Es war für uns eine große Ehre und Mike hat sich viel Zeit genommen und ausführlich geantwortet. Wir werden das Video bald hier im Blog veröffentlichen. Das Video Interview ist hier im Blog zu finden.

Im Anschluss an das WordCamp ging es dann weiter zur After-Show-Party in ein nahe gelegenes Pub. In Anbetracht der Menschenmenge war es doch recht voll und beengt. Das Fingerfood war aber sehr lecker und das Guinness natürlich auch. Erschlagen von den Eindrücken habe ich mich aber dann recht früh zurück in mein Hostel begeben. Am nächsten Tag stand noch einiges an Arbeit auf dem Programm, denn ich hatte mich auch für den Contributor Day gemeldet.

WordCamp London – Contributor Day

Für den Contributor Day haben sich die Veranstalter des WordCamp London etwas Besonders einfallen lassen. Im Mozilla Space in der Nähe vom Covent Garden in London durften wir den ganzen Tag die Gastfreundlichkeit im Londoner Büro des Mozilla Firefox und Thunderbird genießen.

Es ist üblich, dass sich die Teilnehmer in Themen-Gruppen aufteilen. Caspar und ich wählten die Gruppe zum Thema Lokalisierung von WordPress.
Seit geraumer Zeit habe ich die große Ehre für die deutsche Community WordPress zu übersetzen. Mittlerweile hat sich ein ganz tolles Team in der WordPress Deutschland Community gebildet und somit ist meine Hauptaufgabe nur noch das Freigeben der Übersetzungen und das Zusammenpacken der neuen deutschen Versionen. Dies ist allerdings kein einfacher Prozess – bisher… Denn ich habe mit meinen niederländischen „Kollegen“ Remkus de Fries und der bulgarischen „Kollegin“ Petya Raykovska, sowie GlotPress Co-Entwickler Marko Heijnen solange Andrew Nacin genervt und bearbeitet, dass nun zukünftig der Bereich Internationalisierung leichter von der Hand geht und die Community schneller darauf zugreifen kann. Wir dürfen gespannt sein.

Das Schöne am Contributor Day für mich, ist das Gemeinschaftsgefühl. Wir arbeiten alle – jede Gruppe für sich – an einem Stück Software, das die Welt in den letzten Jahren enorm verändert hat. Kulinarisches Highlight zwischendurch: absolut leckere Pizza! Hach, was kann das Leben doch so schön sein.

Viel zu schnell ging der Tag rum. Viele wundervolle Gespräche, erreichte Ziele und neue Freundschaften bereicherten meinen Erfahrungsschatz. Im Anschluss versammelte sich eine kleine Gruppe um Jenny Wong, die uns zielstrebig nach London China Town führte. Im Keller eines China-Restaurant konnten wir in kuscheliger Runde den Tag ausklingen lassen.
Nach dem Essen verließ uns leider schon ein Teil unserer gemütlichen Clique. Der standhafte Rest machte sich dann auf in das bekannte Pub The Salisbury. So macht London Spaß.

Netzwerken

Am Montag hatte ich morgens noch einen Interview-Termin (mit wem, wird noch nicht verraten) und im Anschluss habe ich mich noch mit Remkus de Fries und Mario Peshev auf einen Kaffee getroffen. Caspar hat sich kurz vor seinem Abflug noch dazu gesellt. Es war sehr interessant die Menschen mal abseits vom Kontext WordPress kennenzulernen.

Sightseeing

Am Dienstagmorgen hatte ich dann endlich etwas Zeit, mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten von London zu besichtigen. Das letzte Mal war ich vor 25 Jahren in London.

Fazit

Es war für mich ein absolut atemberaubendes Wochenende. Viele neue Leute kennengelernt, einige Bekanntschaften vertieft und vor allem das Wissen, dass WordPress uns verbindet.
WordPress ermöglicht Menschen ihre Stimme zu erheben. Jeder kann die Gelegenheit nutzen und seine Gedanken mit der gesamten Welt teilen. Es macht mir sehr große Freude, meinen Beitrag dazu zu leisten. WordPress ist Open Source, was auch ein Stück weit Verantwortung bedeutet. Ich habe schon so viele Dinge genießen können, durch die Verwendung von WordPress, somit ist es für mich selbstverständlich auch etwas an WordPress und die Community zurückzugeben. Frei nach dem Motto, Geben und Nehmen im Einklang.
Die Rede von Mike Little empfand ich als sehr inspirierend. Sein Mut, seine Beharrlichkeit aber besonders seine Bescheidenheit haben Eindruck bei mir hinterlassen. Er beharrt vor allem auf Standards in der Webentwicklung und „die richtigen Dinge zu tun“.

Eine weitere Erkenntnis habe ich von der Konferenz mitgenommen: Es menschelt auch unter den Chef-Entwicklern, wie wir von Mark Jaquith erfahren konnten. Erfolg hat derjenige, der einmal mehr aufsteht, als er fällt.

Sonstige Eindrücke

Das Catering wurde im zweiten Stock in einer Ecke des zweiten Session-Raum aufgebaut. Dort befanden sich auch die Stände einiger Sponsoren. Leider empfand ich diese Catering-Lösung als nicht zufriedenstellend, denn der Austausch am Rande der Sessions konnte somit nicht so flüssig stattfinden, wie beispielsweise in Leiden / Niederlande oder in Berlin. Gerade die Gespräche mit den Leuten, die man während der Pausen und auch mal parallel zu Sessions führen kann, sind nach meinem Empfinden die wertvollsten.

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WordPress ist meine Leidenschaft. Als Coach & Trainerin ist es mir wichtig, dass das vermittelte Wissen nachhaltig auch in der Praxis angewendet werden kann. Individuelle Anwenderschulungen für WordPress & Social Media sind meine Spezialität. Sprechen Sie mich an, wenn Sie wissen möchten, wie man das Beste aus WordPress für Ihre Projekte holen kann.

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