Praxistest: WordPress & WooCommerce Shop mit 25.000+ Produkten

Quagga Shop

WordPress als ausgefeiltes Shopsystem, das war lange Zeit undenkbar. Dank WooCommerce lassen sich nun selbst große Shops performant betreiben. Der Bilder-Onlineshop von Quagga tritt den Beweis an: Mit über 25.000 enthaltenen Produkten.

Dr. Rita Gudermann – Geschäftsführerin der QUAGGA Media UG – hat die virtuelle Verkausfbühne auf WordPress-Basis selbst umgesetzt. Mit Ihr sprachen wir über die Herausforderungen bei einem solchen Projekt.

Sie haben einen WooCommerce-Shop mit mehr als 25.000 Produkten eingerichtet. Das bezeichneten Sie selbst als „Wagnis“. Warum? Und wieso haben Sie sich dennoch darauf eingelassen?

Mittlerweile sind es 28.000 Produkte und einige Tausend weitere sind in der Pipeline …

Ein Wagnis war es, weil wir bei der Vorab-Recherche im Internet vergebens nach nachahmenswerten Beispielen für vergleichbare Shops mit 10.000, 20.000 oder mehr Produkten gesucht haben. Dazu kam, dass unser Shop keine „gewöhnlichen“ Produkte, sondern Bildlizenzen für Grafiker, Verlage und Agenturen zum Verkauf anbietet. Wir brauchen keine Warenwirtschaft, dafür aber eine gestochen scharfe Bilddarstellung, raschen Bildaufbau und die Möglichkeit, die Preise für jedes Produkt (Bild) gestaffelt aufzusetzen, je nach Nutzung.

Wir haben es gewagt, um endlich schneller auf Kundenwünsche und den sich schnell ändernden Bildermarkt reagieren zu können als zuvor. Das geht mit Hilfe der aktiven Entwicklergemeinde von WordPress und den vielen aktuellen Plugins, zum Beispiel für die Social-Media-Integration.
 
So große WordPress-Shops sind (noch) recht ungewöhnlich. „Es hat auch einige Male gerumpelt“, schreiben Sie. Was waren die größten Herausforderungen? Und wie haben Sie diese gemeistert?

Der eigentliche Shop war – ich übertreibe ein wenig – in einer Stunde erstellt. Was dann kam, war die Anpassung des Themes (Avada) an unsere speziellen Anforderungen. Das hat etwa drei Monate gedauert. Besonders herausfordernd: die Optimierung der Bildgrößen für Thumbnails, Popups und die (mit Wasserzeichen versehene) Großdarstellung der Bilder zugunsten schneller Ladezeiten.

Auch nicht ohne war die Auswahl eines Plugins zur Anpassung des Warenkorbs, so dass beim Produkt und beim Woocommerce Checkout keine Produktanzahl mehr angezeigt wird (dies ist sinnlos bei Bildlizenzen). Zudem setzen wir auf Gravity Forms Pro zur Preisberechnung je nach Bildnutzung sowie den WooCommerce Checkout Manager (unter anderem für die Steuernummer). Und schließlich erfolgte die Anpassung des Shops an den deutschen Sprachgebrauch und deutsches Recht. Letzteres mittels WooCommerce German Market.

Quagga Illustration
Eine Illustration aus dem Quagga-Shop (c)

Wie gelang es Ihnen, 25.000+ Produkte einzupflegen, das ging sicherlich nicht per Hand?

Wir nutzen das Plugin WP All Import Pro plus die zugehörige WooCommerce-Erweiterung, mit sehr guten Erfahrungen: Es bietet umfassende, zuverlässige Funktionen und einen guten Support.
 
WooCommerce braucht für Sie keinen Vergleich zu Ihrem bisherigen Shop-System zu scheuen, das „sturzsolide, aber doch auch sehr starr“ war. Können Sie dies in Zahlen ausdrücken? Welche langfristige Kosteneinsparung erhoffen Sie sich?

Von Kosteneinsparungen wage ich nicht träumen, weil mit den Möglichkeiten (von WordPress und WooCommerce) ja auch die Ansprüche steigen … Wir setzen, wo sinnvoll, kostenpflichtige Plugins ein und sind darüber auch nicht traurig, wenn sie uns helfen, Arbeitszeit und Tüftelei einzusparen.
 
Sie haben den WordPress-Onlineshop selbst aufgesetzt. Wie haben Sie sich das notwendige Wissen erarbeitet? Welche Lektüre oder Onlinequellen können Sie in diesem Zusammenhang empfehlen?

Ganz unbeleckt sind wir bei der Realisierung von Online-Projekten nicht … Im Wesentlichen haben wir auf die Dokumentationen der Entwickler des Themes und der verschiedenen Plugins zurückgegriffen. Und natürlich immer mal wieder ihren Support in Anspruch genommen, wenn die Suche in Internet-Foren nicht weitergeholfen hat.
 
Ihre drei besten Tipps zur Vorbereitung: Wie richtet man einen WooCommerce-Shop möglichst „stressfrei“ ein? Was sollte man keinesfalls vergessen?

  1. Von vornherein ein Theme auswählen, das mit WooCommerce gut zusammenspielt, bei den nötigen Entwicklerkenntnissen am besten ein Framework (bei uns wird es das nächste Mal Genesis …).
  2. Mit wenigen Produkten (nicht mehr als 5!) den Produkt-Import solange optimieren, bis jede, aber auch wirklich jede Produktinformation an der richtigen Stelle angekommen ist.
  3. Den Shop schon mit wenigen Produkten live schalten und nach und nach weiter bestücken – die gröbsten Fehler und besten Ideen tauchen erst auf, wenn echte Kunden den Shop aufsuchen.

Wie soll es mit dem Quagga-Shop weitergehen? Welche weiteren Funktionen wollen Sie Ihren Kunden zukünftig noch bieten?

Dr. Rita Gudermann
Dr. Rita Gudermann
Unbedingt wollen wir den sofortigen Download unserer Bilder realisieren. Das gibt es derzeit aus Sicherheitsgründen noch nicht. Außerdem werden wir einen „versendbaren Leuchtkasten“ einrichten, also die Möglichkeit, vorausgewählte Bilder direkt aus dem Shop an einen Auftraggeber zu verschicken.

Und dann kommt natürlich irgendwann die Mehrsprachigkeit des Shops: Das wird spannend bei mehr als 25.000 zu übersetzenden Produktbeschreibungen und -bildern, Keywords etc. …!
 
Ein paar Worte zu Ihnen und dem Hintergrund des Shops?

Quagga Illustrations ist eine aus einem Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin hervorgegangene Bildagentur, die bisher überwiegend schwarz-weiße (historische) Illustrationen vertreibt. Aber Farbe ist im Kommen! Unsere Kunden sind Kreative – Profis in Agenturen und Verlagen – die für ihre Gestaltungen etwas anderes brauchen als die immer gleichen Microstock-Fotos.
 
Hinweis der Redaktion: In den Kommentaren freuen wir uns über eure Erfahrungen mit großen WooCommerce-Shops, aber auch über Fragen zum Thema.

Beitrag teilen

Author Avatar

Redakteur bei MarketPress. Blogger aus Leidenschaft, Corporate Blog & Content Marketing Trainer, Buchautor (u.a. "Blog Boosting"). Mit-Organisator des WP Camp Berlin.

Auch interessant:

Neue Produktfilter WordPress

Plugins angetestet: WooCommerce Products Filter - Erweiterte Produktfilter

von Michael Firnkes

WooCommerce enthält bereits die wichtigsten Funktionen, damit deine Kunden Produkte nach Preis, Kategorie etc. filtern können. Wem diese Möglichkeiten n ...

Weiterlesen
youtube

Neu: Video-Tutorials für German Market

von Michael Firnkes

Du willst wissen, wie sich die einzelnen Module in unserer Rechtssicherheits-Suite German Market für WooCommerce bedienen lassen? Dann helfen wir dir jetz ...

Weiterlesen
woonews20

WooCommerce Wochenrückblick #20: Conversion, Produktkonfigurator und Woo-Argumente

von Michael Firnkes

Wir sammeln Argumente für das führende Onlineshop-System und für Open Source. Und: Einen Produktkonfigurator kannst du auch mit WooCommerce umsetzen. Di ...

Weiterlesen
ERP

Warum sich der Einsatz eines ERP Systems auch für kleine Händler lohnen kann

von Max Ager

Die eCommerce-Branche ist eine der am schnellsten wachsenden Brachen überhaupt. Über eine Million Onlineshops basieren auf dem bekannten WooCommerce-Syst ...

Weiterlesen

Kommentare

12 Kommentare

  1. #1

    Sehr guter Artikel! Wir sind auch gerade dabei einen Online Shop mit WP aufzusetzen. Im letzten Punkt des Interviews wird angesprochen, dass ein sofortiger Download von Bildern aus Sicherheitsgründen noch nicht angeboten wird. Welche Bedenken habt ihr da? Und gibt es vielleicht schon eine Lösung für das Problem? Wir sind nämlich gerade dabei eine ähnliche “Nuss zu knacken” 🙂

    Viele Grüße, Matthias.

  2. #2

    Guter Artikel,mich würde interessieren wie es geht über 25000 Produkte zu verwalten. Bei uns ist nach 15000 Schluss.Wir vertreiben Reisen in Dänemark und da kommen einige Produkte zusammen.Ich habe bis heute keine Lösung gefunden oder gab es auch Probleme damit?
    Viele Grüße, Oliver

  3. #6

    Sehr interessanter Artikel und Interview. Ich beschäftige mich selbst seit einigen Wochen mit der Umsetzung von einem Online-Shop mit Woo mit 5000+ Produkten. Was mich im Moment stört, ist, dass innerhalb der Kategorie-Taxonomien keine doppelten Slugs möglich sind. Bei Quagga habe ich jetzt kein Beispiel gefunden, wo das zutrifft. Vielleicht wisst ihr es aber trotzdem. Wie liese sich mit Woo folgende Struktur mit sauberen URLs abbilen
    Kinder (.de/kinder)
    > Hosen (.de/kinder/hosen)
    Damen (.de/damen)
    > Hosen (.de/damen/hosen-damen)

    Das “Problem” ist, dass in wp_terms jeder Eintrag in der Spalte slug unique sein muss. Standet ihr auch vor dem Problem? Wenn ja, wie habt ihr es lösen können, bzw. falls ihr es nicht lösen musstet, habt ihr noch zufällig einen Lösungsweg im Hinterkopf?

    Vielen Dank,
    Mathuseo

    • #7

      @Mathuseo: Das müsste doch mit der WooCommerce-internen Hierarchie von Produktkategorien möglich sein? Also bei → Produkte → Kategorien → Produktkategorie hinzufügen mit einer “Eltern”-Kategorie arbeiten?

      • #8

        @Michael: Das wäre natürlich schön wenn das gehen würde. So einfach ist aber SEO – auch Sicht einer optimalen Seitenarchitektur – mit WooCommerce leider nicht.

        WordPress/ Woo speichern den Slug, auch mit Hierarchie, in der Datenbank-Tabelle wp_terms. Die Spalte slug ist UNIQUE. Ein Slug kann daher nicht doppelt vergeben werden. WordPress ruft in einem solchen Fall also eine Funktion auf, die den Slug wie oben aufgezeigt, erweitert. Leider.

        Ich habe Lösungsansätze ausprobiert, die das umgehen. Allerdings ist mir das persönlich zu heiß derart den Core zu verändern. Stichwort: Zukünftige Updates.

        Mmh.. mal schauen ob WooCommerce in Zukunft dafür eine Lösung anbietet. Die bisherigen Entwickler haben es ja verneint. Mit dem Verkauf an Automatikk aber kann sich das ja ändern 🙂

  4. #9

    Moin, ich bin auch gerade am überlegen, ob mein Shop, ca. 9000 Artikel mit Woocommerce erstelle oder ob es doch ein echtes Shopsystem werden muss.

    Mein Problem wäre z.B. die URL-Länge von Woocommerce. Rubrik 1 > Rubrik 1.1 > Rubrik 1.2 > Produkt also shop.de/produkt-kategorie/rubrik1/rubrik11/rubrik13/produkt1
    Ziemlich lang… Die einzelnen Produkte sollte ich komplett ohne Rubrik bzw. Produktkategorie URL darstellen können.

    Ebenfalls hab ich noch keine Lösung gefunden, um spezifische Kundenpreise und feste Staffelpreise anbieten zu können.

    Hat hier schon wer Erfahrungen gemacht?

    • #11

      Hallo Alexander,

      Die einzelnen Produkte sollte ich komplett ohne Rubrik bzw. Produktkategorie URL darstellen können.

      Das ist mit WooCommerce möglich, wobei ich aus SEO-Sicht dir empfehlen würde die Produkte zumindest in ein Verzeichnis unterzuordnen. Auch wenn es nur ist blabla.de/p/deine-erstes-produkt.html.

      Feste Staffelpreise wird es definitiv mit Woo geben, wenn nicht im Standardumfang dann als erweiterndes Plugin. Kundenspezifische Preise kann ich dir leider nicht beantworten, ein Gutschein-System aber ermöglicht es dir beliebig Gutscheine zu erstellen, die ja als kundenspezifischer Rabatt dienen können.

      Gruß,
      Mathuseo

  5. #12

    Hallo – ein sehr informativer Bericht über Eure Lösung.

    Mich würde interessieren, ob Ihr bei 25000 Produkten das alles auf einer WP-Installation habt oder parallel dazu noch ein Ausfallsystem betreibt, das einfach umgeschaltet werden könnte? Wenn beispielsweise plötzlich ein Zahlungsmodul ausfällt oder sonstwas, wäre ja der Shop so lange offline, bis das wieder gefixt ist. Wie macht Ihr das?
    Danke für diesen ergänzenden Input. Und weiterhin viel Erfolg. Mathias

Ein Pingback

  1. Von wegen unterdimensioniert: Online-Shop mit WordPress | DR. WEB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code class="" title="" data-url=""> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> <pre class="" title="" data-url=""> <span class="" title="" data-url="">