WordPress ist ein CMS. Und so viel Content passt rein.

WordPress CMS

Viele Nutzer aber auch Dienstleister meinen nach wie vor, WordPress sei nur ein Blogsystem und damit nicht für größere Projekte geeignet. Das kann Thomas Herzog, Senior Entwickler bei der Inpsyde GmbH, so nicht gelten lassen. Hier sein Beitrag zur Debatte „WordPress als CMS“.

Content-Management-Systeme sind in den seltensten Fällen Fire-And-Forget-Systeme. Man muss immer nachjustieren, damit alles sicher ist und möglichst reibungslos funktioniert. Unabhängig vom gewählten System gilt es, Updates zu fahren, Plugins müssen installiert und getestet werden. Es ist wichtig, die EntwicklerInnen solcher Plugins zu beobachten: Werden die genutzten Plugins aktiv weiterentwickelt? Werden Support-Anfragen beantwortet? Und und und …

Das klingt zwar nach viel Arbeit, aber diese Arbeit hat man mit jedem CMS. Man muss sich kümmern, damit die eigene Installation gut läuft. Oder es muss jemand beauftragt werden, der sich darum kümmert. So oder so. Mit seinem eigenen Produkt muss man sich beschäftigen. Da ist der Unterbau grundsätzlich erst einmal egal.

Sollte man wirklich jemanden für die Wartung, Entwicklung und den Betrieb bezahlen wollen, ist man gut beraten, vorab mit vielen verschiedenen Agenturen oder – je nach Aufwand – Freelancern zu reden. So wird der eigene Blick geschärft. Nach und nach merkt man, was man eigentlich erreichen möchte und vor allem auch benötigt.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man sich auf die Suche nach einem CMS machen. Und dann steht man vor der Qual der Wahl. In unserer Agentur haben wir uns aus historischen Gründen für WordPress entschieden. Mit nachfolgender Argumentation hätten wir uns sicherlich auch ohne diesen Hintergrund überzeugen lassen.

Alles eine Frage der Definition

Die Behauptung, dass sich WordPress nur für kleinere Seiten eignet, hören wir im Inpsyde-Team des Öfteren. Für größere Projekte sei es nicht die richtige Basis. Die Frage, die sich dabei stellt: Was ist denn eigentlich eine große Seite? Ist es ein Portal mit vielen Funktionen? Eines mit vielen Beiträgen oder Seiten? Mit vielen Effekten? Ein Projekt mit sehr guter Performance auch bei größeren Zugriffszahlen?

Wir sagen ja, das geht mit WordPress. Wie sagen ja zu vielen Funktionen, zu Millionen von Beiträgen und Seiten. Wir sagen ja zu den vielen Effekten und wir sagen auch ja zur Performance bei großen Zugriffszahlen. Kurz: Wir sagen ja zu allem.

Mit WordPress ist es möglich, einen riesigen Community-Driven-Shop mit Tausenden von Produkten aufzubauen. Es ist möglich, eine einfache Firmenpräsenz zu erstellen. Es ist sogar möglich, YouTube oder Twitter nachzubauen. Mit genügend Zeit und Ressourcen kann mit WordPress das gesamte Web abgebildet werden.

Massiver Funktionsumfang

Der Beweis für diesen massiven Funktionsumfang wird tagtäglich gebracht: Auf WordPress.org. Dieses Hub besitzt eine riesige Bibliothek von Plugins und Themes, kümmert sich um dessen Verwaltung, bietet Support-Foren an, lässt Bewertungen zu und ist durch verschiedene API-Schnittstellen mit anderen Systemen verbunden – und das alles aus nur einer einzigen Installation heraus.

BBC WordPress
Nicht nur die BBC setzt auf WordPress – auch Sony Music, Ford, die Stones u.v.m. tun es.

Der nächste Beweis ist diese Seite – MarketPress. Wir haben hier einen sehr umfangreichen Helpdesk aufgebaut, welcher zu Github verknüpft ist. Dazu gibt es ein Shop-System für Software und natürlich auch die Profiloptionen.

Da draußen im Web gibt es so viele tolle große und vielseitige WordPress-Projekte, die mit mehr oder weniger Aufwand umgesetzt wurden. Zum Beispiel lassen sich allein mit den Plugins BuddyPress und bbPress eine voll funktionsfähige Community mit angeschlossenem Forum aufbauen.

So viel Content passt rein

Aber keine Webseite lebt ohne Inhalte. WordPress bietet durch die sogenannten Post-Types die Möglichkeit, flexibel Inhalte anzubieten. So können nicht nur Beiträge für den Blog und einfache Seiten für das Impressum usw. angelegt werden. Durch wenige Code-Zeilen lassen sich ganze Content-Strukturen für Immobilien, Pflanzen, Autos oder auch Raufasertapeten abbilden. Natürlich sind diese ganzen Inhalte auch miteinander verknüpfbar, durch sogenannte Taxonomies, wie zum Beispiel Kategorien oder Tags. Diese stehen in WordPress als individuelle Custom Taxonomies zur Verfügung.

Das Ganze kann man so weit spinnen, dass sich jede beliebige Datenstruktur in WordPress darstellen lässt. In einem unserer Projekte lassen wir eine Datenbank mit mehr als 150 Tabellen, mehr als 1000 Feldern und mehr als einer Millionen Einträge direkt durch WordPress befüllen, verwalten und synchronisieren.

In einem anderen Projekt haben wir es durch diverse Automatisierungen geschafft, mehr als 40.000 Beiträge innerhalb einer MultiSite mit 2.000 Blogs zu veröffentlichen und zu verwalten – pro Tag.

Parléz-vouz anglais?

Für international agierende Unternehmen ist es unglaublich wichtig, verschiedene Sprachen für die eigene Präsenz anzubieten. Grundsätzlich funktioniert das sehr einfach. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten in WordPress.

Eine Möglichkeit ist es, sich die Multisite-Eigenschaft von WordPress zu nutze zu machen. Das heißt, dass innerhalb einer Installation mehrere Seiten existieren können:

  • * mydomain.tld/de/
  • * mydomain.tld/en/
  • * mydomain.tld/fr/

In diesen können nun individuell Sprachen und Optionen gesetzt werden, ohne dabei den anderen Seiten in die Quere zu kommen. Unser Plugins MultilingualPress und MultilingualPress Pro unterstützen dies, sie stellen die notwendigen Beziehungen zwischen den verschiedensprachigen Inhalten her.

Ich hätte gern das und das und das …

Immer mehr Leute wollen irgendetwas im Web verkaufen. Dafür gibt es sehr viele umfangreiche Lösungen. So ist es auch mit WordPress möglich, einen Shop auf die Beine zu stellen. Das freie Plugin WooCommerce bringt alles mit, was man für einen einfachen Shop braucht. In Deutschland und Österreich kann man – für mehr rechtliche Sicherheit – zusätzlich unser Plugin WooCommerce German Market installieren.

Quagga Shop
Der Bilder-Onlineshop von Quagga tritt den Beweis an: Auf WordPress-Basis und mit 25.000+ Produkten.

WooCommerce ist dabei genau so gut erweiterbar wie WordPress. Es gibt zahlreiche Plugins für Payment-Gateways, Produktübersichten, Warenkorbeinstellungen und so weiter. Es ist sogar möglich, durch die offene API von WordPress und WooCommerce, das alles mit verschiedenen Warenwirtschaftssystemen zu verbinden. Damit lassen sich dann Shops mit 25.000 Produkten und mehr betreiben.

Nun aber flott!

Bei so vielen Features und Inhalten muss die Seite doch aber langsam sein – könnte man meinen. WordPress selbst wird mit jeder Version immer schlanker und von unnötigem Ballast befreit. Damit wird die eigentliche Basis schonmal schneller.

Zusätzlich kann man durch Plugins vom einfachen HTML-Cache bis zu ganzen Cache-Suiten alles anstellen, was zur Steigerung der Performance denkbar ist. Natürlich müssen dafür auch alle weiteren Plugins, das Theme und auch die Infrastruktur mitspielen.

Wem das alles immer noch nicht reicht, der kann durch diverse Erweiterungen seine Inhalte, Daten und Mediadateien komplett in Cloud- und CDN-Dienste auslagern.

Mein Fazit

Nun könnte man denken, dass die beispielhaft besprochenen Setups Tausende von Euro kosten. Doch das Einzige, für das bezahlt werden muss, ist Know-how. Die Technik ist open-source und weitestgehend kostenfrei zu nutzen:

Natürlich kann man dafür keine Lösung erwarten, die vollständig an die eigenen Bedürfnisse angepasst ist. Aber es ist zumindest ein Anfang, um den ganzen Umfang und vor allem die Möglichkeiten von WordPress zu verstehen.

WordPress ist kein einfaches Blogsystem. WordPress ist ein vollwertiges CMS, ein Onlineshop-System, eine Community, alles, was gewollt ist – wir beweisen es.

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Thomas ist Senior-WordPress-Entwickler bei der Inpsyde GmbH, der aber auch über den Tellerand hinaus schaut und sprachunabhängig entwickeln kann. Der 1985 geborene Wahl-Düsseldorfer macht in seiner Freizeit Musik, spielt Spiele, kocht gern und verbringt seine Zeit am liebsten mit seiner Frau.

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Kommentare

11 Kommentare

  1. #1

    Hi, WordPress ist in jedem Fall eine CMS-Option. eigentlich sprechen kaum noch Gründe dafür stattdessen (in der Umsetzung und Betreuung aufwendigere) Typo3 oder gar Joomla selbst zu verwenden oder Kunden zu verkaufen.
    Allerdings finde ich, dass sich das Team mal der bedienerfreundlichen Erstellung von Tabellen und Bildergalerien aus dem RTE heraus widmen sollte. Ich vermisse diese Funktionen (on board) schon seit je her. Sicherlich über Plugins machbar, aber ich finde für ein starkes CMS gehört sich diese Funktionalität direkt im Texteditor.

    Ansosnte, GO WORDPRES!!

    • #2

      Hallo Androsch,

      Danke für dein Feedback. Das ist einer der Grundsätze von WordPress: Keep it simple. Aus diesem Grund wurde beim Rich-Text-Editor darauf geachtet, dass es nur die nötigsten Grundfunktionen bietet. Natürlich ist es möglich, dass der Editor über Plugins erweitert werden kann.

      Für Tabellen empfehle ich entweder die Buttonlösung für den Editor – MCE Table Buttons oder das umfangreichere WP-Table Reloaded.

      Für die Verwaltung von Bildern und Galerien wurde die neue Version WordPress 4.0 noch mal aufgebohrt. Wem aber diese Verwaltung und Wartung von Bildern und Galerien nicht ausreicht kann auf das Plugin Nextgen Gallery setzen.

      In jedem Fall lohnt sich aber der Blick in das Plugin-Verzeichnis.
      Ich hoffe, ich konnte helfen 🙂
      Thomas

  2. #3

    Seit WordPress die Menü-Funktion hat (kam glaub ich mit 3.0), ist WordPress auf jeden Fall erste Wahl.

    Bei Galerien denke ich, hat jeder eigene Vorstellungen, daher halte ich es da für sinnvoll, dass sich die WordPress-Entwickler auf das wesentlichste beschränken.
    Mit geringen PHP-Kenntnissen lassen sich gute und User-freundliche Galerien ohne Plugin realisieren, mit Plugins lässt sich natürlich noch viel mehr machen.

    Nicht gefallen hat mir, dass mit Version 3.5 oder 3.6 die Ansicht der Galerien im Backend m.E. zwar hübscher aber wesentlich unübersichtlicher geworden ist und die Möglichkeit weggefallen ist, die Reihenfolge der Bilder durch Eingabe von Zahlen zu verändern.
    (kennt zufällig jemand ein Plugin, mit dem sich das wiederherstellen lässt?)

    Was ich mir bis heute wünsche, ist Mehrsprachigkeit ohne Plugin, denn da finde ich, dass das zu einem guten CMS einfach dazu gehört.

  3. #4

    WordPress hat uns weiter gebracht. Vormals ein Joomla Jünger und ein Typo3 Fan, durch den Wechsel zu WordPress um Einiges weitergekommen. Gerade für Menschen die wenig Zeit haben und deren Erfahrungslevel nicht so hoch ist, um komplexe Datenbank Systeme einwandfrei zu beherrschen, wird WordPress immer mehr zur ersten Wahl.

  4. #5

    Von WordPress war ich schon immer überzeugt. Aber in der letzten Zeit hat sich bei mir und meinen Kunden herauskristallisiert, dass man mit ganz wenigen Plugins tatsächlich fast alle Wünsche erfüllen kann. Also, was Tabellen und Galerien angeht (und ca. 80 weitere Funktionen, grafische Effekte, Buttons, Boxes, etc.), so kann man auf die Plugins JetPack und Shortcodes Ultimate zurückgreifen. Beide Plugins werden aktiv weiter entwickelt und bieten dem User eine Unmenge an grafischen Funktionen und Möglichkeiten zur Verteilung von Content und News.

    WordPress? Simply the best! 😀

  5. #6

    Ich bin inzwischen auch überzeugt von WordPress. Haben kürzlich ein Projekt mit Joomla umgesetzt und wechselten gleich wieder zu WordPress.

    Ein Problem habe ich allerdings bis jetzt noch nicht lösen können. Die Menü-Funktion ist mir nicht komfortabel genug. Ich habe teilweise sehr umfangreiche Menüs, deren Administration viel zu aufwändig ist. Plus-Ins wie CMS Tree Page View können Seiten Perfekt verwalten, aber ein entsprechendes Plug-In, das die Navigation vereinfacht habe ich bisher leider nicht finden können…

    • #7

      @Andreas: Welche Funktionalität suchst du denn genau, da sich die WP-Menüs eigentlich sehr umfangreich gestalten lassen? Hast du vielleicht ein Beispiel (URL)?

      • #8

        Mein Problem ist, dass ich regelmäßig ca. 20 Seiten im Menü austauschen möchte. Teilweise neu anlegen, teilweise in ein Archiv verschieben. Bräuchte eine Baumübersicht in der ich alle relevanten Seiten markieren kann und per Klick dem Menü hinzufüge.
        Suche eine Möglichkeit diese gruppiert zu verschieben und eine Auswahlmöglichkeit, die der Seitenordnung entspricht.
        Ordne die Seiten in der Seitenansicht und brauche eine Entsprechung im Menü-Bereich. Das kleine Auswahlfenster links im Menü-Bereich zeigt nur Ausschnitte, da übersehe ich immer etwas.

      • #9

        @Andreas: Ich habe nichts dergleichen gefunden. Was es an (zahlreichen) Plugins gibt, geht eher in Richtung Darstellung oder Widget-Optimierung. Vielleicht hat ein anderer Leser noch einen Tipp..

      • #10

        Mein Gefühl ist, dass das eher ein konzeptionelles Problem ist. Wenn man wirklich *regelmäßig* 20 Seiten in der Navigation verschieben muss, sollte man über eine andere Lösung nachdenken. Bitte mal den Use Case schildern.

  6. #11

    Ist zwar schon etwas älter der Artikel, aber nach wie vor aktuell. Was mich an WP als CMS noch immer nicht überzeugt, ist die Verwaltung der Inhalte. Selbst mit einem Plugin wie z.B. CMS PageTree View habe ich nicht so eine gute Übersicht über meine Inhalte wie z.B. in TYPO3. Ich spreche hier nicht von 10 oder 15 Seiten sondern eher über 200+ Seiten. Andererseits sehe ich natürlich auch, dass ganz große Websites auf WP basieren. Wie verwalten die Ihre Inhalte? Selbst programmierte Erweiterungen? Fertige Plugins?
    Wie handhabt Ihr das? Würde mich sehr über ein paar Anregungen freuen.

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