Monetarisierung von WordPress-Projekten und Blogs: „Für die Vielfalt im Internet sehr wichtig“ [Interview]

advanced-ads

Anzeigenwerbung ist nach wie vor bedeutsam, wenn es um die Refinanzierung von Blogs und Webseiten geht. Das sagt Thomas Maier, der Entwickler eines Plugins zur Verwaltung von Werbeflächen mit WordPress. Wir fragten ihn, was man bei der Einbindung von Bannern & Co. beachten sollte.

Thomas, mit Advanced Ads hast du eine Alternative zu beliebten WordPress-Plugins wie AdRotate entwickelt. Wie bist du auf die Idee gekommen? Und was hat dir bei den bisherigen Lösungen gefehlt?

Ich habe in den letzten Jahren neben meiner eigentlichen Tätigkeit als WordPress-Programmierer die mittlerweile wohl größte deutschsprachige Webseite zum Thema Wortspiele aufgebaut. Irgendwann habe ich mich entschieden, dieses Liebhaber-Projekt mit Geld aus Anzeigenwerbung weiter auszubauen.

Zur Verwaltung der Anzeigen habe ich lange Zeit den Simple Ads Manager (SAM) genutzt. Irgendwann passten dessen Funktionen aber nicht mehr zu meinem Setup und leider ließ sich das Plugin nicht erweitern. Hinzu kamen vermehrt technische Probleme, die sogar dazu führten, dass SAM in kürzester Zeit dreimal aus dem WordPress-Repository ausgeschlossen wurde und ein schlechter Support, weil der Entwickler das Plugin wohl nur als Hobby entwickelte.

Was die Erweiterbarkeit angeht war es bei anderen Plugins ähnlich. Und so habe ich mich dann schließlich entschieden, meine Erweiterungen zur Auslieferung von responsiven Anzeigen oder Anchor-Ads auf einer eigenen Anzeigenverwaltung aufzusetzen. So ist dann das zunächst nur intern genutzte Plugin Advanced Ads entstanden.

Seit knapp zweieinhalb Jahren berate ich auch Publisher bei der Optimierung ihrer Werbung. Dabei haben wir immer wieder die Plugins gewechselt, weil die installierten nicht die am Ende benötigten Funktionen hatten oder sich nicht mit anderen Lösungen vertrugen. Advanced Ads stellte sich als sehr kompatibel heraus und daher kam es mehr und mehr auch auf Kundenseiten zum Einsatz. Der Schritt zur Veröffentlichung auf wordpress.org war dann nur noch ein kleiner. Aufgrund des sehr guten Feedbacks geht es seitdem aktiv weiter.
 
Was sind die wichtigsten Erfolgskennzahlen für Blogger, die sich mittels Onlinewerbung refinanzieren?

Ein zentraler Vergleichswert ist CPM (cost-per-mille) oder zu deutsch auch TKP (Tausender-Kontakt-Preis). Damit ist der Umsatz pro tausend Seitenimpressionen gemeint.

Bei klickbasierter Werbung wie zum Beispiel von Google AdSense berechnet sich der CPM aus der Klickrate (CTR) und dem Klickpreis (CPC). Bei manchen Werbenetzwerken erhält man von vornherein einen Preis pro CPM, ohne notwendige Klicks. Auch bei Affiliate-Bannern oder anderen Monetarisierungsformen kann man selbst leicht einen CPM errechnen.
 
Wie hilft dein Werkzeug dabei, diese im Auge zu behalten?

Für selbstvermarktete Banner gibt es eine Tracking-Erweiterung, die Impressionen und Klicks erfasst. Bei der Nutzung von Anzeigennetzwerken empfehle ich dagegen die Zahlen der Netzwerke zu nutzen. Ein zusätzliches Tracking verbraucht nur Ressourcen und ist von einigen Netzwerken untersagt.

Die Übersicht bereits erstellter Anzeigen in Advanced Ads.
Die Übersicht bereits erstellter Anzeigen in Advanced Ads.

Eine beliebte Frage bei neuen ProBloggern: Was ist ein guter Preis für einen Anzeigenplatz, wenn man diesen selbst vermarktet? Wie viel kann man für einen typischen Werbebanner oder ähnliche Formate „verlangen“?

Wer hätte das erwartet, aber die Antwort kann nur lauten, dass dies von vielen Faktoren abhängt :-). Es gibt aber eine recht einfache Möglichkeit, sich dem Wert der Anzeigen anzunähern: den AdSense-Test. Einfach für einige Zeit AdSense-Banner schalten und schauen, wie die Performance ist.

Dabei sollten Blogger berücksichtigen, dass die Einnahmen nur 68% von dem betragen, was Werbende bezahlen. Dies gilt es dann also noch auf das Ergebnis draufzurechnen. Dann würde ich noch weitere 50% draufschlagen, weil wir uns ja gegenüber den AdSense-Einnahmen steigern wollen. Mit dem AdSense-Wert kann man dann neue Netzwerke oder Affiliate-Banner vergleichen oder direkt Werbekunden ansprechen. Wenn die Nachfrage dann da ist, kann man die Preise langsam steigern.

Der Test hat auch noch den Vorteil, dass man Informationen über Klickraten und Klickpreise bekommt. Manche Werbenden verlangen solche Informationen oder sie sind auch nur bereit, für Klicks zu bezahlen.
 
Ist Bannerwerbung nicht schon längst tot? In welchen Bereichen funktioniert sie nach wie vor? Und was wären die Alternativen?

Ich beobachte in der Tat, dass die Performance von Anzeigenwerbung in den letzten Jahren abnimmt. Zu den wichtigsten Ursachen zähle ich schwer monetarisierbare mobile Seiten, Ad-Blocker und Banner-Blindheit. Wenn sie auch nicht zu jeder Seite passen, so haben Banner aber weiterhin ihre Berechtigung.

Ein großes Missverständnis gerade bei neuen Bloggern ist, dass man nur Werbung auf der eigenen Seite einbinden muss und dann gleich ordentlich Geld verdient. Doch auch bei AdSense müssen Inhalt und Besucher zu den Anzeigen passen. Wer zum Beispiel eine Seite zu einem Thema betreibt, bei dem es nicht um Produkte geht, wie zum Beispiel meine Wortspiele-Seite, der hat es schwer einen CPM über 1€ zu erreichen. Das wären auf einer Seite mit 100.000 Seitenaufrufen dann gerade einmal 100€.

Durch meine Consulting-Tätigkeit sehe ich aber auch immer wieder Seiten, die aus unterschiedlichen Gründen allein mit AdSense einen CPM über 10€ erreichen. Wenn möglich, versuche ich die Ursachen zu replizieren und auch in Advanced Ads einzubauen.

An dieser Stelle möchte ich aber noch eine Lanze für Anzeigenwerbung brechen. Viele Hobby-Seiten haben keine andere Möglichkeit der Monetarisierung. Für die Vielfalt im Internet ist daher Anzeigenwerbung nach wie vor sehr wichtig. Kleinen Seiten und beginnenden Bloggern würde ich aber definitiv davon abraten zu früh damit zu beginnen oder ihre ganze Zukunft darauf aufzubauen. Auch sollten alternative Finanzierungsmodelle intensiver geprüft werden.
 
Was oft vergessen wird: Die Einbindung interner Werbemittel im Blog oder im WooCommerce-Onlineshop, etwa um eigene E-Books, Dienstleistungen, Landingpages etc. zu bewerben. Warum ist es so wichtig, auch deren Erfolgskennzahlen im Auge zu behalten?

Thomas Maier
Thomas Maier
In der Tat hat es mich auch überrascht, für was die Nutzer Advanced Ads alles nutzen. Inhouse-Ads sind neben AdSense definitiv das wichtigste Einsatzgebiet. Mit dem neuen cache-busting Feature in der Pro-Version lassen sich aber auch alle möglichen dynamischen Inhalte ausliefern.

Ich selbst nutze Advanced Ads zudem, um Newsletter-Formulare in Artikel zu integrieren oder als PopUp anzuzeigen. Auch eigene und Affiliate-Links lassen sich verwalten. Letztendlich teilen sich ja alle diese Elemente die Aufmerksamkeit der Besucher. Daher ist es auch sinnvoll, sie zentral zu verwalten.

Übrigens, ich habe mich als Entwickler eine ganze Weile auf Shops konzentriert. In Gesprächen mit Kunden gab es hin und wieder die Frage, ob man nicht auch sogar externe Werbung einbinden kann, um die Umsätze zu erhöhen. Letztendlich kommt es dabei darauf an, welche Form der Monetarisierung am besten funktioniert. Bei einem Kunden zum Beispiel hat sich gezeigt, dass die Werbung von AdSense in seinem Produktblog höhere Umsätze generierte, als der Verkauf der eigenen Produkte im beworbenen Shop. Auch hier kann man den schon oben erläuterten CPM-Wert zur Hilfe nehmen.
 
Wie vermarktest du deine eigene Lösung, da das Plugin selbst ja kostenlos ist?

Neben der kostenlosen Grundversion auf wordpress.org gibt es auf https://wpadvancedads.com/add-ons eine steigende Anzahl an meist kostenpflichtigen Erweiterungen zur Optimierung des Anzeigensetups.

Die Grundversion auf wordpress.org bringt natürlich einen wichtigen Anteil an späteren Kunden. Gleichrangig ist aber der Traffic von meinem Blog auf webgilde.com. Insbesondere in der englischen Version schreibe ich über Erfahrungen und Strategien bei der Anzeigen-Optimierung.

Die Artikel verdeutlichen wohl den besondere Vorteil von Advanced Ads: Ich bin nicht nur passionierter WordPress-Entwickler, sondern auch erfahrener Publisher und lebe von der Funktionalität des Plugins. Daher bin ich auch im Support sehr aktiv, denn ich will natürlich sichergehen, dass mich ein Fehler nicht auch selbst trifft.
 
Spürst du ebenfalls, dass sich die Blogger-Szene zunehmend professionalisiert? Wo sind für dich persönlich die ethischen Grenzen der Selbstverwertung erreicht?

Wenn Professionalisierung bedeutet, dass gute und nachhaltige Formate durch Monetarisierung abgesichert werden, dann begrüße ich das. Ich sehe zu viele gute Webangebote, die nicht mehr aktualisiert werden, weil die Anfangseuphorie verflogen ist. Das ist natürlich schade.

Das einzige was ich bei der Selbstverwertung als schwierig empfinde sind fehlende Kennzeichnungen für bezahlte Artikel oder Affiliate-Links. Ansonsten habe ich aber auch mit diesen überhaupt kein Problem und wenn es mir auf einer Webseite zu kommerziell wird, finde ich viele andere.

Was ich – wie bereits angedeutet – eher für schwierig halte, das ist die Unwissenheit von vielen, dass das Geldverdienen im Internet nicht so einfach ist wie es viele Marketing-Profis behaupten. Ich erhalte immer wieder E-Mails von Menschen ohne jegliche Online-Erfahrung mit der Bitte um Hilfe beim Aufbau von „geldspuckenden“ Webseiten. Dann frage ich mich, wie sie auf so eine Idee kommen und was ich zur Aufklärung beitragen kann.

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Redakteur bei MarketPress. Blogger aus Leidenschaft, Corporate Blog & Content Marketing Trainer, Buchautor (u.a. "Blog Boosting"). Mit-Organisator des WP Camp Berlin.

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Kommentare

1 Kommentar

  1. #1

    Ich habe einige Banner Plugins für WordPress ausprobiert und habe schließlich WP Advanced Ads entdeckt, mit dem ich sehr zufrieden bin. Hierzu habe ich eine recht ausführliche Anleitung für ausgewählte Funktionen geschrieben: https://www.tricd.de/wordpress/wordpress-werbeanzeigen-mit-advanced-ads-integrieren/
    Am Ende des Artikels dürfen wir netterweise auch einen Gutscheincode anbieten, mit dem man 20% auf die Pro Version des Plugins mit AddOn Bundle erhält.
    vg Nina

    viele grüße,
    nina

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