WooCommerce Wochenrückblick #18: eCommerce-Projekte, Kostenanalyse und Existenzgründer-Tipps

WooCommerce kann weit mehr als „nur“ Onlineshops. Aber es ist nicht kostenlos zu haben. Dies und mehr in unserem Wochenrückblick.

WooCommerce & WordPress: Mehr als nur ein Onlineshop

An klassischen Shop-Beispielen, die mit WooCommerce realisiert wurden, mangelt es nicht. Doch im Zusammenspiel mit den umfassenden CMS-Möglichkeiten von WordPress entstehen nicht selten eCommerce-Projekte, die weit über einen einfachen Onlineshop hinausgehen.

Der Blogbeitrag 10 WooCommerce stores selling awesome and unusual things enthält einige solcher Perlen, die als Inspiration für neue Geschäftsmodelle dienen:

  • Die Webseite von thingcharger.com zeigt eindrucksvoll, wie man einen Onepager bzw. eine Landingpage ideal mit WooCommerce kombiniert, um ein einzelnes Produkt/eine Dienstleistung in Szene zu setzen.
  • Ähnlich verfährt momentlens.co, ein Hersteller für iPhone-Erweiterungen. Mit dem Scrollen rücken jeweils einzelne Produkte ins Blickfeld der Besucher. Eine schöne Variation zur klassischen – und zugegebenermaßen etwas langweiligen – Katalogansicht. Sie eignet sich für Shops mit wenigen Angeboten, oder um einzelne Bestseller zu präsentieren.
  • Ovrride.com setzt ein Veranstaltungsportal mit WooCommerce um, vergleichbar mit dem bekannten Eventanbieter Jochen Schweizer. Ovrride könnte an der einen oder anderen Stelle sicherlich noch deutlich eleganter umgesetzt werden. Und dennoch ist es schon weit entfernt von einem Standard-Webshop.
  • Du planst, ein Abo-Modell mit WordPress umzusetzen? Dann schau dir einmal kawaiibox.com an. Das Design ist gewöhnungsbedürftig, und orientiert sich augenscheinlich an der detailverliebten Zielgruppe. Aber Elemente wie die Abo-Boxen oder die „How it works“-Seite sind durchdacht konzipiert.

Bei der ständig zunehmenden Anzahl an Onlineshops stechen derlei Projekte aus der Masse heraus. Und unverwechselbar zu sein, wird für den Online-Erfolg zunehmend wichtiger. Davon können auch klassische Shops etwas lernen, um ihre Produktpräsentation moderner zu gestalten.

Animierte Grafiken, Infografiken und mehr enthält der Onepager von thingcharger
Animierte Grafiken, Infografiken und mehr enthält der Onepager von thingcharger

WooCommerce ist nicht kostenlos

In dem Blogbeitrag Was kostet ein WooCommerce Shop? beschäftigten wir uns mit der Frage, zu welchem Preis sich Projekte mit dem freien Shopsystem umsetzen lassen. „Kostengünstig, aber längst nicht umsonst“, so könnte das Fazit lauten.

Das Magazin WP Mayor hat nun ebenfalls eine Analyse gestartet, nachzulesen hier. Obwohl sich diese nicht auf den deutschsprachigen Markt bezieht – der gerade hinsichtlich der Aufwände für eine rechtskonforme Gestaltung von Onlineshops eine Sonderrolle spielt – kommt der Autor zu recht ähnlichen Ergebnissen.

Demnach sorgen vor allem folgende Faktoren dafür, dass WooCommerce nicht kostenlos zu haben ist:

  • In vielen Fällen macht ein spezielles Premium-WooCommerce-Theme Sinn. WP Mayor schätzt, dass hierfür durchschnittlich $55 fällig werden. Hinzu kommen noch die jährlichen Folgekosten für eine Erneuerung der Lizenz.
  • Ganz ohne kostenpflichtige Plugins geht es meist nicht, wenn man einen professionellen Shop aufziehen möchte. Der Beitrag nennt in einer Infografik die Summe von $500 bis $800, die man in diesem Zusammenhang einkalkulieren sollte. Allerdings führt er dabei auch einige sehr hochpreisige Erweiterungen auf, die nur die wenigsten Shopbetreiber benötigen dürften.
  • Für das Hosting setzt WP Mayor durchschnittlich um die $18 pro Monat an, für einen Managed Service. Für Shops mit kleinerem bis mittleren Kaufvolumen reicht das auch hierzulande aus, wenn man nicht gleich eine ganze Bandbreite an möglichen Domains reserviert, und keine allzu großen Ansprüche an den Hoster stellt. Wer wirklichen Service will, zahlt mehr. Und das macht bei einem Onlineshop absolut Sinn. Denn wenn Support-Antworten im Notfall mehrere Tage brauchen, überlebt dies so mancher Shop schlicht nicht.

Um die 500 bis 1000 USD sieht der Beitrag als gute Ausgangsbasis, um mit einem Webshop auf Basis von WooCommerce durchzustarten. Autor Josh Kohlbach weist zu Recht darauf hin:

I want to make it very clear that this cost estimate is for a Do-It-Yourself solution

Nicht enthalten sind also die unzähligen Arbeitsstunden, die nicht nur für den technischen Part hinzukommen, sondern für administrative Aufgaben. Etwa für das Einpflegen der Produkte, das Erstellen von Texten, die Auswahl oder das Bearbeiten der Produktbilder etc. Berechnet man die Arbeitszeit hierfür mit ein, kann man sehr schnell eine Null bei der oben genannten Gesamtsumme hinzufügen.

Tipp: Um einzuschätzen, welche Kenntnisse und Arbeitsschritte zur Einrichtung von WooCommerce notwendig sind, kannst du unsere Tutorial-Serie durchlesen. Oder du kaufst dir unser E-Book „WooCommerce verständlich“.

Gerade wenn du technisch nicht sehr erfahren bist, solltest du zudem über den Einsatz einer WooCommerce-erfahrenen Agentur nachdenken. Das treibt die Kosten ebenfalls nach oben, sorgt aber für ein kalkulierbares und vor allem einsatzbereites Endergebnis. Siehe hierzu diesen sehr berechtigten Kommentar von Michael Oeser.

Demo zur WooCommerce-Slack-Anbindung

Du kannst dir das Arbeiten mit deinem Onlineshop um einiges einfacher machen, indem du WooCommerce mit dem Messaging- und Organisationsdienst Slack verbindest. Das gilt vor allem dann, wenn:

  • Produkte mehrerer Hersteller/Entwickler verkauft werden, mit denen du im ständigen Austausch bist, oder die zu zeitnah über entsprechende Verkäufe informieren musst
  • Verkauf, Verpacken, Versand, Controlling etc. von unterschiedlichen Mitarbeitern oder externen Firmen erledigt werden
  • Der Support für deine Produkte ebenfalls über WordPress-Tools erfolgt

WooExperte Harald Frey hat unseren Slack Connector getestet, und zeigt dabei gleich auch einige mögliche Anwendungsfälle:

Tipps für die Existenzgründung

WooCommerce ist erwachsen geworden. Das Vorurteil, dass sich mit dem Open-Source-System nur kleine bis maximal mittelgroße Onlineshops umsetzen lassen, hält sich leider hartnäckig. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Umsetzungen mit mehreren zehntausend Produkten, die reibungsfrei laufen.

Und dennoch eignet sich das WordPress-System ideal, um ein eCommerce-Geschäftsmodell einfach einmal auszuprobieren, oder nebenbei und iterativ aufzubauen. Doch wie wird ein solches Projekt profitabel? Schließlich schießen neue Onlineshops derzeit wie Pilze aus dem Boden – längst nicht alle werden überleben.

Das Team von WooCommerce hat in einem Blogbeitrag die besten Praxistipps von Shopbetreibern gesammelt, die noch am Anfang stehen, und trotzdem bereits erfolgreich sind. Dazu gehören Hinweise wie:

  • Trotz der Schritt-für-Schritt-Herangehensweise sollte das grundsätzliche Konzept gut durchdacht sein. Dieses im Nachhinein zu ändern, kann für Unmut sorgen, unter anderem bei den ersten Kunden.
  • Eine Live Chat Lösung für WooCommerce lässt Shops oft deutlich seriöser wirken, gerade dann, wenn sie noch unbekannt sind. Solche Chats sollten dann jedoch auch regelmäßig bedient werden.
  • Themen wie die Buchführung und Steuern sollte man Profis überlassen. Das gleiche gilt für die Klärung rechtlicher Fragen rund um die Onlineshop-Geschäftsidee, gerade im abmahnwütigen Deutschland. Beide Punkte ergänzen jedoch den obigen Abschnitt „WooCommerce ist nicht kostenlos“ um Budgets, die du zusätzlich einplanen musst.

Die folgende Aussage aus den Tipps lasse ich einmal für sich stehen:

Don’t pay some outside company to help you on your search engine status, you can do it more efficiently and save money in the process! Learn how to update your own webpage and do it frequently with fresh photographs and announcements.

Ein guter und regelmäßig gepflegter Blog zum Shop leistet dabei noch bessere Hilfe, wie wir selbst immer wieder feststellen. Dennoch sollte man das Thema SEO nicht aus den Augen verlieren. Schon gar nicht , wenn es um so grundlegende Themen wie „Performance“ oder „responsive“ geht.

Unsere Blogbeiträge wie etwa Tutorials sorgen für Traffic und Kommentare - gut für das SEO
Unsere Blog-Tutorials sorgen für Traffic und Kommentare – gut für das SEO

Was sonst noch geschah…

  • Wenn du nur an B2B-Kunden verkaufst, kann es sinnvoll sein, Preise ausschließlich für eingeloggte Besucher anzuzeigen. Dieses Snippet zeigt, wie es geht.
  • Mit WooCommerce 2.7 kommt wohl eine neu gestaltete Galerie für Produktbilder, mehr dazu hier.
  • Ein YouTube-Tutorial zeigt dir, wie du die Produktbilder im Backend vergrößern kannst, zur besseren Auffindbarkeit.
  • Wie man rollenbasierte Preise und globale Sonderangebote mit WooCommerce realisiert, verraten wir dir im Beitrag Kundenbindung mit WooCommerce.

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Redakteur bei MarketPress. Blogger aus Leidenschaft, Corporate Blog & Content Marketing Trainer, Buchautor (u.a. "Blog Boosting"). Mit-Organisator des WP Camp Berlin.

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Kommentare

2 Kommentare

  1. #1

    Hallo!

    Ich benutze seit 2008 das Blogsystem Serendipity (Open Source, kurz s9y), http://www.s9y.org.

    Vorteil des Blogsystems im Vergleich zu WordPress:
    – Sehr gute freundliche Unterstützung durch das Entwicklerteam und Benutzer im Forum auf deutsch und englisch mit kurzen Reaktionszeiten.
    – Seltener Sicherheitslücken als WordPress, für Angriffsszenarien weniger im Fokus von kriminellen Crackern aufgrund geringerer Verbreitung.

    s9y verfügt über kein Online shop plugin. Danach wird immer wieder mal von Bloggern gefragt, hier z.B. schon 2007 (Antwort vom Hauptentwickler Garvin Hicking):

    http://board.s9y.org/viewtopic.php?f=4&t=10554&hilit=shop

    Wie steht Ihr bei Marketpress zu der Idee der Programmierung eines Plugins für Serendipity bzw. Anpassung des Plugins, so dass es für s9y funktioniert?

    Das Entwicklerteam sind Deutsche. Sie betreuen s9y in ihrer Freizeit. S9y darf auch kommerziell kostenlos genutzt werden.

    Grüße

    • #2

      @Jörg: Danke für deine Idee. Durch unsere Arbeiten an WooCommerce-Plugins und -Themes sehen wir, welcher erheblicher Aufwand und Support dahintersteckt, alleine „nur“ um Zusatzkomponenten zu entwickeln. In WooCommerce selbst dürften mittlerweile hunderte wenn nicht tausende Mannjahre eingeflossen sein, um es zu dem System zu machen, das es heute ist.

      Davor wurde es von der Szene selbst nur wenig akzeptiert, da es nicht alle Funktionen beinhaltete, die ein modernes Shopsystem ausmachen. Zudem „tickt“ die eCommerce-Szene ganz anders (deutlich gewinnorientierter, was bei Onlineshops ja naheliegt), als etwa die WordPress-Community.

      Sprich: Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Aufwand für irgendwen lohnt, für ein gering verbreitetes Open Source Projekt ein kommerzielles System aufzusetzen, das dann vollständige und genügend Akzeptanz bei der „neuen“ Zielgruppe eCommerce-Betreiber finden würde. Und als Hobbyprojekt schätze ich die Aufwände deutlich zu hoch ein. Aber vielleicht gibt es bei den Lesern noch andere Meinungen?

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