Automattic übernimmt WooCommerce: Was bedeutet dies für die Zukunft der beiden Systeme? #WooMattic

Die Nachricht von Matt Mullenweg – Mitbegründer von WordPress – sorgte gestern Abend für Überraschung: Sein Unternehmen Automattic übernimmt WooCommerce bzw. WooThemes. Was bedeutet dies für WooCommerce und WordPress?

Die Blogs und die Fachpresse sind sich bislang einig: Eine Übernahme von WooCommerce macht strategisch durchaus Sinn. Vor allem deswegen, weil sich das freie Shopsystem derzeit sehr erfolgreich entwickelt. Folgt man den Statistiken, dann setzen bis zu 30 Prozent aller Shopbetreiber weltweit auf WooCommerce. Damit wäre es nicht nur die erfolgreichste Open-Source-Lösung im Shopping-Umfeld, sondern die führende eCommerce-Plattform überhaupt.

Nicht umsonst twitterte Matt Mullenweg gestern diese Grafik, als er seine Entscheidung bekanntgab:
 

 
Nicht nur mashable.com fing gleich an zu spekulieren, was diese Nachricht für den CMS-Markt bedeutet. Den WordPress-Mitbegründer und WordPress.com-Chef zitiert das Magazin dabei wie folgt:

The ultimate goal, he said, is to make it as easy to create your own storefront as it currently is to create your own website or blog with WordPress.

Ähnlich äußert sich Matt auch in seiner Video-Ankündigung zur Akquise. Ein paar Gedanken hierzu:

  • Zunächst ist die Übernahme von WooCommerce natürlich spannend für WordPress.com, wenn es um eine Cloud-Lösung geht. Die Idee liegt nahe, einen starken Mitbewerber zu Shopify und anderen Mietlösungen im Bereich Software as a Service (SaaS) zu etablieren. In dem Markt ist viel Musik, wie nicht zuletzt die Börsenpläne von Shopify zeigen. Die Offerte von Automattic ist sicherlich auch eine Reaktion auf diesen Erfolg.
  • Wird WooCommerce damit eine reine Service-Plattform? Mit outgesourcten Shops ohne eigenes Hosting, wie sie in den USA sehr populär sind? Das würde auch die eCommerce-Landschaft hierzulande verändern.
  • Doch längst nicht alle Shopbetreiber können oder wollen ihre Technik auf einen Cloud-Dienst umstellen. Man denke nur an komplexere WooCommerce-Shops oder an die doch sehr speziellen rechtlichen und sonstigen Anforderungen in einigen Ländern, gerade in Deutschland und Österreich. Auch datenschutzrechtlich sind solche Dienste nicht ganz unumstritten.
  • Die Frage ist also gleichzeitig, wie die Zukunft von WooCommerce als WordPress-Plugin bzw. für selbst gehostete Shops (wordpress.org) aussieht. Zwar sind die beiden Systeme bereits gut integriert, doch es gibt nach wie vor Verbesserungspotenzial. Beispielsweise was das Thema mehrsprachiger Onlineshops anbelangt. Denkbar ist hier eine noch intensivere Verzahnung, oder gar ein vorausgeliefertes WooCommerce, das man zum Blog nur noch „dazuschalten“ muss?
  • Entwickler – wie auch wir bei MarketPress – sind gespannt, was die Nachricht für zukünftige Versionen von WooCommerce bedeutet. In letzter Zeit sorgten die oft recht kurzfristigen Änderungen bei WooCommerce nicht nur für Freude bei externen Plugin- und Theme-Entwicklern.

Alles in allem ist es eine gute Nachricht. Schließlich dürfte WooCommerce damit – sehr ähnlich wie einst WordPress – noch deutlich populärer werden. Wenn dabei nicht die SaaS-Lösung im Vordergrund steht, profitiert davon auch die gerade erst entstehende Community.

Wie ist deine Meinung zum Aufkauf von WooCommerce? Siehst du die Entwicklung positiv oder eher kritisch? Was erwartest du von einem Zusammenspiel zwischen WooCommerce und WordPress(.com)? Die Kommentare sind offen.

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Redakteur bei MarketPress. Blogger aus Leidenschaft, Corporate Blog & Content Marketing Trainer, Buchautor (u.a. "Blog Boosting"). Mit-Organisator des WP Camp Berlin.

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Kommentare

7 Kommentare

  1. #1

    Muss man wirklich abwarten, was passiert. Es wären ja durchaus einige interessante Fragestellungen:
    – Vertrieb/ Geschäftsmodell, d.h. weiterhin Extensions-Modell (Freemium)?
    – Entwicklungsstrategie? (weiter zentrale Änderungen in Fix-Releases?)
    – Mehr hauptamtliche Entwickler?
    – Weiterer Funktionseinbau oder -abbau?
    – Verbesserung bei Internationalisierung/ Mehrsprachigkeit etc.?
    – Support – wie bisher, oder alle Automattic-Happyness-Engineers?
    – Support nun auch im .org Plugin-Forum oder nicht?
    – Stärker oder weniger offen für externe Entwickler?
    – Mehr offen für Nischenmärkte bzw. Anforderungen von Ländern bzw. EU?
    – Entwicklung „offizieller“ Extensions – wie weiter? (Nicht dass es so endet, wie das WordPress.com Themeverzeichnis für kommerzielle Anbieter…)

    Da steckt enormes Potential drin. Man kann nur hoffen, dass Automattic nicht die riesige Community verprellt durch „blöde Politik“. WooThemes war rein auf Kommerz ausgerichtet, Automattic sicherlich irgendwie auch, doch da spielt wesentlich mehr „Politik“ mit rein. Zumindest meine Sicht.

    Übrigens, welches zweite „System“ meinst du, Michael? (Ausgehend von der Überschrift) — Sollte es nicht besser „…der beiden Anbieter“ heißen?

    • #2

      @David: Das sind spannende Fragen, die du stellst. Die genannten Punkte entscheiden tatsächlich darüber, ob WooCommerce ein Community-getriebener Erfolg wird oder nicht. Und ob sich weiterhin externe Entwickler engagieren, so wie du. Bzw. ob andere ihr eigenes Geschäftsmodell darauf aufsetzen.

      Die Meldung dürfte schon auch einige neue WooCommerce-Agenturen entstehen lassen, bzw. Begehrlichkeiten wecken. Das ist positiv zu sehen (Innovation) aber natürlich auch kritisch zu hinterfragen (reiner Kommerz, wie du schreibst).

      Ja, der Vergleich hinkt. Ich meinte eigentlich die „Systeme“ WooCommerce und WordPress (wie das Beitragsbild – inhaltlich nicht ganz korrekt – suggeriert). Auch wenn es gefühlt so ist, kann man Automattic natürlich nicht mit WordPress gleichsetzen, zumindest nicht mit .org. Anbieter wäre korrekt, für den Anwender sind die Systeme dahinter sicherlich spannender..

  2. #3

    Wow! Das ist wirklich eine Nachricht! Ich war schon länger nicht mehr auf wordpress.com unterwegs und weiß gar nicht, ob man da einen WooCommerce Shop aufsetzen kann. Wenn nicht wird man es wohl in Zukunft können. Dann frage ich mich, ob Automattic hier langfristig auf Modelle wie Umsatzbeteiligung oder ähnliches abzielt.

    Ich bin gespannt 🙂

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